KOMAK-ML

November 14, 2009

Kollektivvertrag verhandeln oder Kollektivvertrag erkämpfen?

Gespeichert unter: Wirtschaft und Politik, deutsch/almanca — komakml @ 10:26
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Es wird immer unerträglicher, was das Kapital den Arbeiter/innen zumutet. Wieder einmal hat es seine Krisensuppe aufgekocht und die kleinen Leute sollen die Bitternis, die es dazu ein­gebrockt hat, auslöffeln. Dabei pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass von oben von der dünnen Suppe die Absahner wie ehedem ihre fetten Anteile schöpfen. In der Krise rückt die Ge­sellschaft keineswegs zusammen, sondern sie tritt verstärkt in Konkurrenz; die Klassengegensätze spitzen sich zu.

Man muss nicht immer über den Atlantik schauen, wo sich Präsident Obama gezwungen sieht, gegen die Managerboni zu heucheln. Es hat auch das EU­ropäische Kapital und mit ihm das österreichische gut darauf spekuliert, dass die ausgewiesenen Ver­luste bei voller Garantie für die einzustreifenden Gewinne vom Staat ausbezahlt werden. Aber Gewinne verschafft man sich nicht durch Gegenleistung. Mit Gewalt und Betrug werden die Profite erhöht.

Das System der Gewalt und die Betrügereien hören nicht auf, sondern werden besonders ausgeklügelt, wenn es um die Kollektivvertragsverhandlungen geht, einem scheinbar mächtigen Instrument zur Eindämmung von Gewalt und Betrug. Die Gewalt bleibt und der Betrug bleibt, auch wenn man sie am grünen Tisch regelt.

Derzeit stehen die Metalllohnrunden auf der Tagesordnung. Die Metallindustrie hat in den letzten Jahren gute Geschäfte gemacht und deren Manager haben satte Gewinne eingefahren. – So verdient das kleine Häuflein von Eigentümern und gewinnbeteiligten Managern heute schon halb so viel als es die Ausgaben fürs Personal sind, welche noch weit über dem liegen, was den Arbeiter/innen der Branche letztendlich ins Börsel fließt. Nichts leichter als das: schließlich hat man im Metallsektor neben Vollzug der Kurzarbeit in letzter Zeit eine regelrechte Kündi­gungslawine losgetreten. Gleichermaßen haben die Vorstände die Vorstandsverdienste dadurch erhöht, dass sie seit geraumer Zeit rund 90 % der Gewinne nicht mehr rückinvestiert, sondern damit ihr eigenes Vermögen aufgemöbelt haben; Vermögen, das so groß ist, dass es natürlich anderweitig investiert wer­den muss, also der Spekulation zu Diensten steht.

Dem gemäß werden sich die Kapitalisten nicht ein­fach mit schlechtem Geschäftsgang und Marktver­sagen verteidigen können, wenn ihnen die Kolleg/ innen der Metallbranche ihre Verantwortlichkeit für dieses System entgegenhalten. Der Rückgang 2009 in der Metallbranche ist ein von den Unternehmern hausgemachter. Dagegen haben die Arbeiter/innen die Produktionswerte im Eisen- und Metallsektor in den letzten zehn Jahren (1998–2008) fast verdoppelt, jene pro Beschäftigten um rund 50 % erhöht.

Es ist also mehr als gerechtfertigt, wenn sich die Metaller/innen bei den Kollektivvertragsverhandlungen gegen den Reallohnverlust zur Wehr setzen, den ihnen das Kapital zufügen will. Damit nicht ge­nug, drängt das Kapital auf eine Nulllohnrunde. Ein harter Kampf wird unumgänglich.

Quasi zum Schnappschuss stellt sich der ÖGB wie­der einmal an die vorderste Front. Man wird noch sehen, was er da ausrichten wird oder wie viele Kämpfer er abziehen und wie viele Verwundete und Leichen er von dort abtransportieren wird. Wie eine Nulllohnrunde die einzelnen Arbeiter/innen wirklich trifft, kann man sich derzeit auf der ÖGB-Website mit dem Nulllohnrunden-Rechner individuell errechnen. Die Arbeiter/innen sollten sich das jetzt, solange es noch möglich ist, zu Gemüte führen. Si­cherlich werden auch bald wieder sogenannte Einmalzahlungen verhandelt werden und dann wird es auch nicht schaden, dass man weiß, wie viel man verlieren würde.

Aber mehr als um das Wieviel geht es diesmal auch um das Was. Immer öfter wird in Frage gestellt, dass es richtig ist, dass die Metaller/innen alljährlich die Kollektivvertragsverhandlungen eröffnen und den Arbeiter/innen und Angestellten der anderen Branchen eine Richtschnur für ihre Verhandlungen legen. Dieses Privileg haben sich die Metaller/innen aufgrund der enormen Wichtigkeit der Branche und aufgrund ihrer kollektiven Kampfkraft über die Jahre der kapitalistischen Entwicklung erworben. Die Metallverarbeitung spielt eine ganz bedeutende Rolle in der gesamten Menschheitsentwicklung. Auch heute verliert sie diese nicht, trotz Konkurrenz der Kunststoffe in manchen Bereichen der Produktion und Konsumtion. Ohne den Metallsektor ist ein Le­ben auf unserem Planeten überhaupt nicht vorstellbar, jedenfalls kein menschliches. Das Privileg ist also auch Verpflichtung, Verpflichtung im sozialen Sinn.

Die Metaller/innen werden eine ganz ausgezeich­nete Rolle im Kampf gegen die Auswirkungen der Krise auf die Arbeiter/innen überhaupt spielen. Es ist ja nicht so, dass in anderen Sektoren der Wirt­schaft alles in Ordnung wäre; im Gegenteil, selbst in den stärker sozialen denn ökonomischen Bereichen hat die kapitalistische Ordnung von den Werktätigen bis hin zu den Studenten für verheerendes Chaos gesorgt. Die österreichischen Studenten besetzen Hörsäle und mit ihnen gehen auch ein paar Arbeiter/innen und Angestellte solidarisch auf die Straße. Zwar fordern sie hauptsächlich nur einen Systemwechsel im Bildungswesen, aber es ist ihnen theoretisch längst klar, dass sie den auf Dauer nicht erreichen können, wenn er nicht von einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Systemwandel getragen wird. Darum ist die Solidarität der Arbeiter/innen für das Gelingen des studentischen Strebens auch so wichtig.

Die Metaller/innen tragen aufgrund ihrer hervorragenden Stellung innerhalb der Arbeiter/innenschaft hohe Verantwortung für das gesellschaftliche Ganze. Ohne sie und ohne die anderen Arbeiter/innen ist gesellschaftlicher Fortschritt praktisch nicht gestaltbar. Nicht auszudenken, was wäre, wenn sie im Kampf versagen! – Diesen Nulllohnrundenrechner stellt uns der ÖGB nicht auf die Website.

Andererseits müssen die Metaller/innen gerade jetzt, wo sie im Schulterschluss mit anderen gesellschaftlichen Gruppierungen um bessere Bedingungen kämpfen können, zuschlagen lernen. Es geht nicht allein um die jetzigen Studenten, sondern auch um die Bildung und Ausbildung der eigenen Kinder, wenn sie in den Verhandlungsrunden und eventuell notwendigen Kampfmaßnahmen standhaft gegen Entlassungen und für kräftige Lohnerhöhungen eintreten. Die Metaller/innen sollten sich eigentlich bewusst sein, dass sie nicht nur das Eisen, sondern auch die zukünftige Gesellschaft schmieden müssen, wenn ihresgleichen eine Zukunft haben soll.

Umgekehrt ist aber das Schicksal der Arbeiter/ innen überhaupt bis hin zu den studentischen mit dem der Metaller/innen verknüpft, sodass einmütiger Zusammenhalt im Kampf um bessere Lebensbedingungen geboten ist. Stärken wir also alle, die wir nach einem besseren Leben streben, den Metaller/innen im gemeinsamen Kampf den Rücken!

 

Macht euch euer Leben schöner

Und erkämpft euch höh‘re Löhner!

 

Kollektivvertrag mit kollektivem Kampf!

 

Wer weiß, was er will, hält nicht mehr still.

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