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März 4, 2009

8. März 2009 – kein Tag zum Feiern, ein Tag zum Kämpfen!

Gespeichert unter: Frauenkampf, deutsch/almanca — komakml @ 9:35

Demonstration am 8.

März um 14h

bei der U-Station

Johnstraße (Ausgang

Wasserwelt)

8. März 2009 – kein Tag zum Feiern, ein Tag zum Kämpfen!

1918 bis 2008: Die österreichische imperialistische Republik feiert den 90. Jahrestag ihres Bestehens und dokumentiert eine 90-jährige „Erfolgsgeschichte“: Kriegsende 1918, Aufbau, Austrofaschismus, Faschismus, Krieg, Wiederaufbau, Sozialpartnerschaft und die erfolgreiche Verschleierung der Ausbeutungs- und Unterdrückungsmechanismen, die eine „demokratische“ Gesellschaft in Zeiten des Imperialismus halt so kennzeichnen. Weit vor 1918, bereits im Jahre 1911, haben die Arbeiterinnen und werktätigen Frauen schon erkannt, dass die Gesellschaft, in der sie leben, nur Brösel jenes Kuchens abwirft, den sie backen. Am 1. Internationalen Frauentag, am 19. März 1911, gingen Tausende Frauen in Österreich, Deutschland, Dänemark und der Schweiz auf die Straße, um ihre Forderungen kundzutun: Wahl- und Stimmrecht für Frauen, Arbeiterschutzgesetze, gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung, Achtstundentag, ausreichender Mutter- und Kindschutz, Festsetzung von Mindestlöhnen.
1917 setzten die Arbeiterinnen und Bäuerinnen in Russland unter Führung der Bolschewiki einen Schlussstrich unter die Zarenherrschaft und starteten mit der Oktoberrevolution den Versuch, alle gesellschaftlichen und ökonomischen Belange selbst zu gestalten. Für die Frauen in der Sowjetunion bot sich eine einmalige historische Chance, ihre Forderungen durchzusetzen: Weg mit Ausbeutung, weg mit der Unterdrückung, offensiver Kampf gegen patriarchale Strukturen und produktives Streiten: Bekannte Kommunistinnen wie Clara Zetkin, Alexandra Kollontai, Inessa Armand und viele andere analysierten die Situation der Frauen und brachten Vorschläge zur Vergesellschaftung der Hausund Erziehungsarbeit oder zur Änderung der Beziehungsverhältnisse zwischen Frauen und Männern.
Auch in den imperialistischen Zentren stiegen die Arbeiterinnen und Arbeiter auf die Barrikaden und forderten die Bourgeosie zum Kampf, doch anders als in Russland, gelang es den Arbeiterinnen – aus unterschiedlichen Gründen – nicht, das alte System zu stürzen. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Emanzipationsbestrebungen der proletarischen Frauen. Die Bourgeoisie machte – nicht zuletzt auch aufgrund der Strahlkraft der erfolgreichen Oktoberrevolution – einige Zugeständnisse: Frauen bekamen das Wahlrecht, Mutterschutzgesetze wurde eingeführt.
Die Ursache allen Übels, der Kapitalismus selbst und damit auch das Patriarchat blieben weiterhin fest im System verankert.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten in Deutschland wurde der Muttertag zum offiziellen Feiertag erklärt, der 8. März als internationaler Kampftag der Frauen verboten. Auch die österreichischen Klerikalfaschisten wiesen den Frauen jene Plätze bzw. Funktionen zu, die ihre reaktionäre Ideologie für sie reserviert hatte: die Küche, das Mutter-sein und die Kirche. Alles, wofür die proletarische Frauenbewegung seit Jahrzehnten gestritten und gekämpft hatte, wurde für Jahre unter braunem Schutt begraben. Und trotzdem gab es Frauen, die gegen den Faschismus kämpften und in diesem Kampf für eine bessere Zukunft oft auch ihr Leben ließen.
Österreich nach 1945: Der Faschismus war – nicht durch eigene Kraft, sondern mit Hilfe der UdSSR – geschlagen, der Muttertag nahm seinen festen Platz im österreichischen Feiertagskalender ein und der „8. März“ konnte wieder gefeiert werden. Der ökonomische Aufschwung, die zementierte Sozialpartnerschaft als Speerspitze im Kampf gegen klassenbewusste Arbeiterinnen, der viel gepriesene „soziale Friede“ und nicht zuletzt der scharf propagierte Antikommunis-mus ließen den 8. März im Laufe der Jahrzehnte von einem Kampftag zu einem Feiertag werden: Allerorts sieht man Politiker, die Blumen verteilen, statt die Forderungen der proletarischen Frauenbewegung in Angriff zu nehmen: Erinnern wir uns – bereits 1911 wollten die Frauen gleichen Lohn bei gleicher Arbeitsleistung, heute verdienen die Arbeiterinnen aber noch immer bis zu 35% weniger als ihre männlichen Kollegen. In all den Jahren seit 1945 wurde aber auch einiges erstritten bzw. zugestanden: die Fristenlösung, die Abschaffung der Frauenlohngruppen, die verfassungsmäßige Gleichstellung der Geschlechter, das Gleich-behandlungsgesetz usw. Dennoch überwiegen die Negativbeispiele: Die Frauenerwerbstätigkeit als Voraussetzung für eine ökonomische Unabhängigkeit ist zu gering, Frauen werden in Teilzeitarbeitsplätze gedrängt, kostengünstige Kinderbetreuungsplätze und eine eigenständige Alterssicherung fehlen. Die„Pensionsreform“ hat die Situation nicht verändert. Im Gegenteil. Niedriges Lebenseinkommen, Erhöhung der Durchrechnungszeiten und der geringe Anpassungsfaktor führt Frauen in die Altersarmut. Die Reproduktionsarbeit, die Frauen tagtäglich leisten, wird nicht als Arbeit, sondern als Selbstverständlichkeit betrachtet. Sexualisierte Gewalt wird als Problem wahrgenommen, aber nicht grundlegend bekämpft. Die doppelte und dreifache Belastung von Migrantinnen wird durch Rassismus verstärkt. Bürgerliche Frauenpolitik bleibt Familienpolitik, um eine der wichtigsten Säulen der kapitalistischen Gesellschaft, die Kleinfamilie, nicht ins Wanken zu bringen. Und, und, und … Jetzt auch noch Wirtschaftkrise. Jahrelang haben wir die Gürtel enger geschnallt (und das nicht nur wegen des gertenschlanken Schönheitswahns, der uns aus Werbung und Fernsehen entgegenlacht). Wir haben Rationalisierungen und Sparpakete über uns ergehen lassen, mit angesehen wie die „normalen“ Arbeitsplätze wackeln und in prekäre zerbröseln, wobei die Löhne gedrückt werden während die Jungen von der Schule direkt in die Arbeitslosigkeit überwechseln und vom AMS zu Bewerbungsfachkräften umgeschult werden.
Die Logik des Kapitalismus ist seit Jahrzehnten die gleiche: „Geht’s der Wirtschaft schlecht“ (was immer das heißen soll), reagieren die Kapitalisten mit einer Kündigungswelle, die zumeist die Frauen zuerst trifft. Die Folge sind Armut und eine „Aufwertung“ der häuslichen Reproduktionsarbeit: der Handel z. B. meldet seit Beginn der Wirtschaftskrise ein Umsatzplus beim Verkauf von Bügeleisen, die dann wer zum Einsatz bringt???!! Wenn es „draußen“ rau zugeht, steigt der Wert eine „gemütlichen Heims“, das von frau kostenfrei gemanagt wird, so die Vorstellung der bürgerlichen Ideologen. Die Krise treibt die Frauen in eine Rolle, von der sie sich seit Jahrzehnten zu befreien suchen. Und sie treibt die Frauen in die Armut. Mit dem Vorhandenen irgendwie über die Runden kommen, zu den billigsten Lebensmitteln greifen, drauf schauen, dass die Wohnung trotz horrender Energiepreise irgendwie warm bleibt, ein Szenario,
die sich „Vorzeigefrauen“ wie Margit Fischer zwar irgendwie vorstellen kann, wenn sie in einem Interview die akute Armutsgefährdung ankreidet. Wenn sie allerdings Lücken „in unserem guten Sozialsystem“ dafür verantwortlich macht, dann liegt sie falsch. Wir haben es mit einem Gesellschaftssystem zu tun, das auf einem grundlegenden Widerspruch aufgebaut ist, den die Herrschenden in Politik und Wirtschaft auf keinen Fall gelöst haben wollen: jenem zwischen Arbeit und Kapital. Das bedeutet unter anderem, dass einige wenige ständig Reichtum anhäufen, da sie über Privateigentum verfügen, im Besitz von Produktionsbetrieben sind, während die große Masse der Menschen nur mit „Hackein“ ihren geringen Lebensstandard absichern kann. Das Patriarchat, das seit Jahrtausenden die Gleichberechtigung der Frauen mit Füßen tritt, ist für die Kapitalisten auch heute noch – ebenso wie Rassismsus – ein wunderbares Instrument zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft. Kapitalismus und Patriarchat gehen Hand in Hand, auch wenn viele Frauen (und natürlich auch Männer!), diese Tatsache nicht dafür verantwortlich machen wollen, dass ihr Leben beschissen abläuft. Die Lösung? Sicher keine einfache. Ein erster Schritt wäre beispielsweise, den 8. März wieder als das zu begehen, was er ursprünglich war: als internationalen Kampftag, der dafür genutzt wird, um entschlossene Gemeinsamkeit zu demonstrieren, die Vereinzelung zu durchbrechen, unsere Unzufriedenheit kräftig zu artikulieren, der HERRschaft zu zeigen, dass wir lange genug geschwiegen haben. Natürlich wird sich dann am 9. März nicht viel Grundlegendes geändert haben: der Kapitalismus ist ein System, das seit Jahrhunderten fest im Sattel sitzt, die Kapitalistenklasse gibt ihre Macht nicht freiwillig auf, versucht aufkeimende Proteste mit Reformen zu beschwichtigen oder greift zu faschistischen Methoden. Für die unterdrückten und ausgebeuteten Frauen kann es nur eine Lösung geben: sich zu organisieren, mit aufgezwungenen oder angestrebten Reformen sich nicht zu begnügen, den Faschismus im Keim zu ersticken, den Klassenfeinden beiderlei Geschlechts in einer Art und mit Ausdauer Paroli zu bieten, dass sie die Waffen strecken vor der Übermacht der organisierten Arbeiterinnen und Arbeiter und ihrer revolutionären Partei.

Nicht auf „bessere Zeiten“ warten ―selbst was verändern― am 8.März zur Demonstration kommen!
Gemeinsam gegen Kapitalismus, Patriachat kämpfen

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