Widerstand!
Wir gedenken heute den tausenden Opfern des nationalsozialistischen Terrors, der Menschen, die ein barbarisches Herrschaftssystem um ihr Leben und ein bescheidenes Glück gebracht hat. Als Kommunistinnen und Kommunisten erinnern wir auch an den Widerstand, der dem Nationalsozialismus entgegengesetzt worden ist, ein Widerstand, getragen von Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen, mit politischen, humanistischen oder religiösen Motiven.
Widerstand!
Es ist nicht immer einfach Nein zu sagen, zu sagen: „Ich werde das nicht zulassen!“ Wir Arbeiterinnen und Arbeiter sind aber mit solchen Situationen tagtäglich konfrontiert. Nein zu sagen zu den Lebensbedingungen, die uns diese Gesellschaft aufzwingt, nein zu sagen zu privaten und gesellschaftlichen Repressionen, die – in unterschiedlichen Nuancen – Teil dieses Systems sind. Nein zu sagen erfordert Mut, Solidarität, eine klare Sicht und das Bewusstsein, dass es Alternativen gibt.
Wenn wir uns nun die Situation jener Menschen, die von den Faschisten gefangen, gefoltert und ermordet worden sind und die dennoch Widerstand leisteten, vor Augen führen, so mag uns ein „Nein“ zu den heute herrschenden Zuständen einfach erscheinen, wenig Mut erfordern, selbstverständlich aber ist es nicht.
Widerstand!
Es ist hoch an der Zeit, dass die Feierlichkeiten zur Befreiung dieses Jahr unter das Motto „Widerstand im NS“ gestellt wurden. Es ist klar, dass Widerstand ein breites Spektrum von Aktivitäten und Motiven in sich schließt und dass nicht sämtliche davon von allen Widerständigen getragen wurden. Aber nicht jeder Widerstand, auch wenn er von manchem saturierten, der Staaträson verpflichteten Polit-Offiziellen als solcher anerkannt wird, kann unverfälschten Kriterien genügen. Wenn wir auch beispielsweise den passiven oder den rein demokratischen, auch nicht kommunistischen Widerstand als solchen anerkennen, so können wir doch nicht beispielsweise den sogenannten inneren Widerstand, wie er, der österreichischen Sage nach, von vielen „Täteropfern“ ausgeübt wurde, oder den konformistischen Widerstand (20. Juli 1944), der de facto nur retten wollte, was bis auf Stumpf und Stiel auszurotten war, als antifaschistisch anerkennen.
Widerstand!
Dabei steht Mauthausen von seiner ihm von den Mördern zugedachten Funktion schon an sich als Symbol für den Widerstand, mehr vielleicht noch als beispielsweise Dachau oder Auschwitz, das stärker als alle anderen Vernichtungsstätten des NS für die demographisch-rassistische, nach industriellem Muster verübte Bluttat steht.
Die Täter – und die Opfer, das ist das impulsive Zwie-Licht, in dem die Verbrechen der Nazis für gewöhnlich gesehen werden. Aber zwischen diesen beiden Extremen ist noch vielfach Platz und hier herein gehört der Widerstand gegen den NS. Wir gedenken in Mauthausen vor allem auch jener Menschen, die ein „Martyrium“ auf sich genommen haben. Es waren einige überzeugte Christen, viele aber auch nicht. Viele waren der religiösen Abstammung nach Juden, und setzten für ihresgleichen, wie für die Errettung der Menschheit überhaupt mutig ihr Leben aufs Spiel, ganz entgegen der den Juden oft zugeschriebenen reinen Opferrolle. Im Zusammenhang mit den Verbrechen des NS ist es besonders uns Kommunisten ein Anliegen, auch vom jüdischen Widerstand zu sprechen, der mit dem kommunistischen engstens zusammengearbeitet hat, sofern er nicht antikommunistisch war.
Widerstand!
Wurde aber der jüdische Widerstand jahrzehntelang verschwiegen, so wurde der kommunistische in den NATO- und ihr befreundeten Ländern stets verleumdet. Die Befreiungsarmee selbst, die Rote Armee, wurde zum Okkupanten umgedichtet, und welche Gräuel wurden ihr und ihrem Oberbefehlshaber nicht angedichtet, sodass sich diese sich „demokratische Gesinnung“ nennende Geschichtsdarstellung und -gleichsetzung vielleicht nicht mit der antibolschewistischen NS-Propaganda messen, aber doch vergleichen lässt! Fakt ist, dass der Widerstand gegen den NS den Sieg der Roten Armee herbeigesehnt und ihn mit ihr erkämpft hat.
Widerstand!
Anlässlich der diesjährigen Befreiungsfeier bei der KZ-Gedenkstätte Mauthausen begrüßt die KomAk-ml die Überlebenden, ihre Angehörigen sowie all jene, die heute gekommen sind, durch ihre Teilnahme an dieser Feier ein Zeichen zu setzen, dass sich solche Bestialitäten, wie sie in Mauthausen und überall in Europa von den braunen Horden begangen wurden, in der Geschichte nie wieder wiederholen dürfen. Wehret den Anfängen! Wer das ernst nimmt, wird sich dem Faschismus entgegenstellen, doch radikaler noch dem weltumspannenden imperialistisch-kapitalistischen System.