Mafissa-Belegschaft besetzt Fabrik
In der Provinz Buenos Aires führt die Belegschaft – 500 ArbeiterInnen – von MAFISSA, einer Polyester-Fabrik, seit über 100 Tagen einen wütenden Arbeitskampf. Zuletzt wurde sie ausgesperrt und hat daraufhin, Mitte Februar, die Fabrik besetzt. Angesichts von Packelei vonseiten der gelben Gewerkschaft haben sich die ArbeiterInnen seit 2005 eigenständig organisiert und 2006 eine eigene, basisdemokratische interne Komission aus jungen ArbeiterInnen gebildet. Jetzt aber muss die Belegschaft Angriffe von vom Unternehmen bezahlten und von der Gewerkschaft organisierten Schlägertrupps fürchten.
Wir hoffen noch mehr zu erfahren, um noch Ausführlicheres berichten zu können. Vorerst veröffentlichen wir eine Presseerklärung der Belegschaft:
La plata, 18. Februar 2008
PRESSEERKLÄRUNG
Wir, die Arbeiter von Mafissa, bleiben auf dem Betriebsgelände(1) zum Schutz unserer Fabrik
Heute haben wir, die versammelten Arbeiter, unsere andauernde, friedliche Anwesenheit auf dem Betriebsgelände beschlossen, um unsere Fabrik(1) vor einer möglichen von den Unternehmern veranlassten Räumung zu schützen. Wir haben diese Entscheidung in der Versammlung getroffen, um unsere Fabrik(1) zu erhalten, und fordern die Wiedereinstellung aller Entlassenen, die Beendigung der Betriebsstilllegung und die sofortige Wiederaufnahme der Produktion in der Fabrik, in der zurzeit Aussperrung herrscht(2). Diese Maßnahme ergreifen wir nach 80 Tagen der Inaktivität von Arbeitsministerium und Regierung, die alle und jede einzelne Ungesetzlichkeit von Jorge Curi geduldet haben. Wir warnen die Öffentlichkeit(3) vor jeglichem Repressionsversuch gegen uns und unsere Familien, sei er vonseiten der Polizei oder vonseiten der Unternehmensleitung(4), die Schlägertrupps schickt, vor und machen die Regierung für die körperliche Integrität aller unserer Kollegen/Genossen(5) verantwortlich.
Seit mehr als 80 Tagen sind wir im Kampf. Seit letzten November verhält sich die Unternehmensleitung(4) vor dem Hintergrund des Schweigens der Bundes- und Landesregierung(6) völlig ungesetzlich. 103 Arbeiter wurden ohne Grund entlassen, die Produktion wurde heruntergefahren und ein Schlüsselsektor, die CPU, stillgelegt; immer wieder wurden allen Arbeitern Zwangsurlaube verhängt, um schließlich das gesamte Personal lohnfrei zu stellen und die Fabrik zu schließen.
Das Unternehmen hat einen Krisenplan ausgearbeitet, der nicht herzeigbar war und vom Arbeitsministerium zurückgewiesen wurde, aber tatsächlich wird er angewendet und setzt, ohne den rechtlichen Anforderungen zu entsprechen, alle unsere Familien auf die Straße.
Wir Arbeiter haben diese Situation wiederholt aufgezeigt und wir haben auch Kenntnis von den hohen wirtschaftlichen Profiten, die das Unternehmen einstreicht, da es weder Bruttolöhne(7) noch Immobiliensteuern(
zahlen muss.
Wir Arbeiter von Mafissa werden weiter gegen die Unternehmer kämpfen, die unsere Errungenschaften der letzten Jahre zunichte machen wollen und die prekären Bedingungen verschlimmern, gegen die niedrigen Löhne – hunderte Kollegen mit befristeten Verträgen –, gegen die ständige Erhöhung des Arbeitstempos auf Kosten unserer Gesundheit und unter den schlechtesten Arbeitsbedingungen.
Wir rufen alle sozialen, politischen und Menschenrechtsorganisationen auf, unseren Kampf aktiv zu unterstützen.
ARBEITER VON MAFISSA IM KAMPF
PRESSE KONTAKT
0221 15 5725439
HERNAN GARCIA
INTERNE KOMMISION MAFISSA
http://www.prensadefrente.org/pdfb2/index.php/anuncios/2008/02/19/p3497
(1) „fuente laboral“ [= wörtlich: „Arbeitsquelle“; Anm. d. Übers.]
(2) „realizando un lock out (paro patronal)“
(3) „comunidad“
(4) „patronal“
(5) „compañeros“
(6) „Gobierno Nacional y Provincial“
(7) „ingresos brutos“
(
„impuestos inmobiliarios“